Eine modulare Kollektion von Giancarlo Ciancimino für Mobilier International
Ende der 1960er Jahre etablierte sich Mobilier International als einer der wichtigsten Akteure im Vertrieb zeitgenössischen Designs in Frankreich. Das von Théo und Michel Schulmann gegründete Unternehmen brachte die Entwürfe von Eames, Jacobsen oder Poul Kjærholm auf den französischen Markt und produzierte gleichzeitig eigene Modelle.
Unter diesen gilt die von Giancarlo Ciancimino entworfene Kollektion als herausragendes Beispiel für technische Präzision und strukturelle Eleganz. Ihr Geheimnis: ein extrudiertes Aluminiumprofil in Form eines vierblättrigen Kleeblatts, unauffällig, aber unverzichtbar, das zum Herzstück des Systems wird.
Ein intelligentes Konstruktionsprinzip
Dieses Kleeblatt-Profil, das eigentliche Markenzeichen der Kollektion, vereint einfache Montage mit formaler Kohärenz. Verbunden mit Querstreben aus gepresstem, natureloxiertem Aluminium stützt es die Tischplatten und ermöglicht gleichzeitig die Aufhängung des Möbelkörpers. Dieses ausgeklügelte System gewährleistet eine beispiellose Modularität: Die Elemente lassen sich ohne komplexes Werkzeug zusammenbauen, zerlegen und neu konfigurieren.
Ciancimino entwickelt so ein umfassendes Formenspektrum – Couchtische, Konsolen, Schreibtische, Aufbewahrungsmöbel –, bei dem jedes Stück mit dem nächsten in Dialog tritt. Die Kollektion verkörpert jene Idee, die den 60er Jahren so am Herzen lag: die von rationalen, funktionalen und anpassungsfähigen Möbeln, die für das moderne Leben konzipiert sind.
Materialien, die eine Epoche widerspiegeln
Ganz im Zeitgeist seiner Epoche lässt das System verschiedene austauschbare Tischplatten zu, die es ermöglichen, mit Materialkontrasten zu spielen. Das Rauchglas, das einfach auf das Gestell gelegt und durch Gummipuffer isoliert wird, sorgt für eine leichte, fast luftige Transparenz.
Der in die Querstreben eingelassene Marmor vermittelt die Edelmut des Materials und seine Langlebigkeit. Die Furniere aus Nussbaum oder lackiertem Palisander hingegen erinnern an das handwerkliche Erbe und die Wärme des Holzes in einem Kontext der Industrialisierung des Möbelbaus.
Dieser Dialog zwischen industriellem Aluminium und natürlichen Oberflächen veranschaulicht perfekt die kreativen Spannungen am Ende der „Trente Glorieuses“, als Modernität noch mit dem Streben nach Komfort und Eleganz einherging.
Eine architektonische Ästhetik
Die gekonnten Proportionen und die geometrische Strenge der Möbel von Ciancimino erinnern eher an eine architektonische Formensprache als an reines Objektdesign. Das sichtbare und selbstbewusst in Szene gesetzte Kleeblatt-Fußgestell wird zu einem eigenständigen grafischen Motiv.
Das Ensemble vermittelt einen Eindruck von Solidität, fast schon Monumentalität, und bewahrt dabei eine große optische Leichtigkeit. Diese Dualität – zwischen sichtbarer Struktur und dekorativer Zurückhaltung – verkörpert die Philosophie von Mobilier International: der breiten Öffentlichkeit moderne, modulare und raffinierte Möbel anzubieten, die sich sowohl für ein privates Wohnzimmer als auch für einen gemeinschaftlichen Arbeitsbereich eignen.
Erbe und Nachwelt
Heute zeugt die Kollektion „Trèfle“ von Giancarlo Ciancimino von einem Moment in der Geschichte des französischen Designs.
Sie spiegelt den Anspruch einer Epoche wider, in der Möbel zugleich Architektur, System und Ästhetik wurden.
Ihre konstruktive Schlichtheit, ihre modulare Logik und ihre funktionale Schönheit inspirieren auch heute noch Sammler, die in diesen Kreationen einen der reinsten Ausdrucksformen des Spätmodernismus sehen.
Achille